.....................Wir trauern um unseren Kollegen und Freund Ks Allan Evans..............

Gegen Rassengrenzen

 

     -Gegen Klassengrenzen

 

 

 

Der Markt   -den Wochenmarkt meine ich-  ist in seiner Vielfältigkeit Sinnbild für die Aufhebung von Grenzen,

 

seien es ethnische,  soziale oder auch solche des Geschmacks;  auf ihm vermischt sich vieles,  ohne begrenzt zu sein.

 

 

 

Da, wo der Händler von hier und dort auf den Käufer von nah und fern trifft,

 

der Nachtschwärmer,  neben dem zur Arbeit Gehenden  oder von dieser Kommenden, seinen Fleischkäsweck ißt,

 

da traf man ihn an den Markttagen,  die Waren prüfend,  den Genießer,  der gerne kochte,

 

nicht nur an Jedermann  –grenzenlos-  ein gutes Wort richtend, nicht nur mit einem schnellen,  guten Rat zur Seite,

 

sondern auch mit einer guten Tat:  hilfreich war Allan, hilfreich und großzügig.

 

 

 

Gemessenen Schrittes ging er über den Markt, Kammersängerschrittes sozusagen, allerdings mit der Zeit schwereren Schrittes,

 

später dann,  auch bei bestem Wetter,  mit einem stabilen Regenschirm, welcher seit einem Jahr durch einen Stock ersetzt war

 

    –der eigentlich in unserem Gedächtnis doch noch gar nicht so Alte  war nun doch schon deutlich älter geworden.

 

 

 

Nicht nur auf dem Wochenmarkt konnte man ihn,  der das Einfache, Ursprüngliche, Arbeitende liebte,  treffen.

 

Er hatte auch keine Berührungsängste mit Besuchern von Quartierkneipen,  die mancher der verehrten heute Anwesenden zu betreten vielleicht nicht gewagt hätte;  

 

da war schnell einmal in den Kaufhof geschickt, um eine Runde Schulranzen

 

oder Schultüten für Kinder auszugeben, deren Eltern Geld nicht so ganz über die Monatsmitte hinausreichen wollte,

 

war ganz unkompliziert die Einkaufstasche der Nachbarin am Tresen, die sich an demselben etwas verloren hatte, mit Marktwaren gefüllt.  

 

 

 

Allerdings war es nie gescheit, in seiner Anwesenheit Vorurteile, Ungerechtigkeiten oder Rassismen zu äußern:

 

der voluminöse Baßbariton war nicht nur geeignet, einem Wagnerorchester standzuhalten, sondern auch den Dummheiten von sich Gebenden

 

in seine Schranken zu verweisen.

 

Ein Blatt nahm Allan Evans nie vor den Mund…

 

 

 

Ein wichtiges Thema waren immer die Gesangsschüler:

 

Es war kein Problem, einen jungen Sänger stimmlich und überhaupt beruflich recht schnell auf den rechten Weg zu bringen:

 

Der erfahrene Sänger mit dem unbestechlichen Ohr wußte recht genau, wo´s lang geht,

 

Herumgerede oder gar der Versuch einer Diskussion waren allerdings gar nicht gerne gesehen, und so großzügig, entgegenkommend  und hilfreich er in seinen Honorarvorstellungen war, so unnachgiebig war er in seinen Forderungen nach

 

Übung, Ernsthaftigkeit und konsequentem Handeln,

 

Verhaltensweisen, die nach seiner und meiner Meinung unabdingbar, aber mittlerweile eher ungewöhnlich sind.

 

 

 

Manchem Studenten mag Allan als schwierig erschienen sein, und ich habe wirklich mehr als einmal von meinem Büro mit dem Blick auf den Hof aus, in das ich mich zum Unterrichten verzogen habe,

 

wenn ich dem Herrn Kammersänger meinen Unterrichtsraum mit dem Flügel überlies,

 

diesen 5 Minuten nach Unterrichtsbeginn Über den Hof schreiten sehen, um nach weiteren 15 Minuten auf dem Gang einem

 

–manchmal fast weinenden Schüler, eine traurige Studentin-  zu treffen:

 

„Er hat mich ´rausgeworfen, dabei hatte ich doch nur keine Zeit zum Üben!“

 

Rechtfertigungsschreiben kamen ganz schlecht!

 

 

 

Ja, und nun scheint das alles zu Ende zu sein, scheinbar, aber des Scheines bar:

 

Allan, der Freund,  von Haus aus ausgestattet mit einer natürlichen Renitenz gegen Rassen –und Klassengrenzen

 

und seinem Sinn für Gerechtigkeit, ist nicht mehr unter uns.

 

 

 

Natürlich möge er in Frieden ruhen.

 

 

 

Uns aber wünsche ich, daß wir im Andenken eben nicht ruhen, wie er Grenzen zu überschreiten,

 

auf den anderen zuzugehen und immer da den Mund aufzumachen, wo es um

 

Ungerechtigkeiten, falsche Grenzen, Oberflächlichkeit bis zur Dummheit geht:

 

 

 

Gegen Rassengrenzen

 

    -Gegen Klassengrenzen.

 

 

 

Allan; ich sage nicht: mach´s gut das hast du schon getan.

 

                                                          Aber ruhe in Frieden.